Großsiedlung Britz

Bauzeit: 1925-1930

Die Großsiedlung Britz (Hufeisensiedlung) ist wohl auf Grund ihrer Größe und namengebenden Form die bekannteste unter den 6 Siedlungen. Es verhält sich folgendermaßen:

Für die Gestaltung des Schollenhofs in Berlin-Reinickendorf existiert ein Lageplan, der eine hufeisenförmige Rasenfläche und Baubepflanzung vorsah, die jedoch nicht in dieser Form ausgeführt wurde. Auch für die Siedlung „Schillerpark“ hatte Bruno Taut 1927 und 1929 hufeisenförmige Bepflanzungen vorgesehen. Quelle: Rolf Bothe: „Bruno Tauts Schillerpark“, Tübingen 1980, Abb. 11, S. 187 (Lageplan v. 2.10.27) und Abb. 14, S. 190 (Lageplan von März 1929)

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Bauteil Bruno Taut "Hufeisen" Lowise-Reuter-Ring

Das Hufeisen gehörte zu den Leitmotiven in Tauts Formensprache im Kontext seiner gemeinschaftsbildenden Architekturensembles. Quelle: Bettina Zöller-Stock „Bruno Taut Die Innenraumentwürfe des Berliner Architekten“, DVA 1993

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Bauteil Bruno Taut Hüsung

Wenn man unter der Internet-Adresse www.maps.google.de für Berlin „Schollenhof“ eingibt, ist die Ähnlichkeit der Form ohne Weiteres nachvollziehbar.

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Bauteil Bruno Taut "Hufeisen" Lowise-Reuter-Ring/Fritz-Reuter-Straße

Ein Welterbe entdecken…

Für die „Hufeisensiedlung“ gibt es keine Eingangssituation, man kann sie am einfachsten über die Mitte, das eigentliche  „Hufeisen“, den Lowise-Reuter-Ring, erschließen. Ein tolles Erlebnis ist es, selbst für den unkundigen Berliner Besucher, von der Blaschkoallee aus über die Stavenhagener Straße die Siedlung zu erreichen. Dort leuchtet die überraschende Farbigkeit der Häuser durch das Grün der Bäume und zeigt das „Besondere“ sofort an, obwohl genau diese Zeile nicht von Bruno Taut, sondern von Martin Wagner ist. So wie auch die von diesem schon früher (1918) geplante und 1920-1921 ausgeführte sehr sehenswerte Lindenhof-Siedlung in Berlin-Schöneberg an der dortigen Eythstraße, wo ebenfalls Leberecht Migge als Gartenarchitekt tätig war.

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Für das Jahr 1925 im Leben Martin Wagners kann später festgestellt werden:

„Am 01. Mai, nach den Feierlichkeiten, besichtigt eine Gruppe von Männern aus der GEHAG, der Bauhütte Berlin und der Dewog das von Wagner für den Bau einer Siedlung in Britz gewonnene Gelände. Unter der Leitung von Bruno Taut und Martin Wagner sollen hier in den nächsten zwei Jahren über 1000 Wohnungen in rationellster Bauweise entstehen, die später als Musterbeispiel des „Neuen Bauens“ berühmt gewordene „Hufeisensiedlung“. Dass die Finanzierungsformen dazu führten, dass nur wenige Arbeiter die Mieten aufbringen konnten, kann wohl kaum den Planern angelastet werden. Zwei Reisen nach England und Holland mit Delegationen der Deutschen Gartenstadtgesellschaft ermöglichen weitere vergleichende Beschäftigung mit dem Stand des europäischen Wohnungs- und Siedlungswesens. Im Oktober ist Wagner Hauptredner einer öffentlichen Kundgebung der Gewerkschaften, Bodenreformer und anderer Organisationen gegen die Wohnungsnot und legt seitens der Gewerkschaften ein Reichswohnungsbauprogramm vor, in dem eine Politik für Verbilligung des Bauens und die Förderung von Eigenheim und Flachbau gefordert wird.“ Quelle: Martin Wagner 1885–1957. Wohnungsbau und Weltstadtplanung. Die Rationalisierung des Glücks, Ausstellungskatalog Berlin 1985

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Bauteil Bruno Taut Fritz-Reuter-Straße


Architekten:

Bruno Taut

Martin Wagner

Gartenarchitekten: Leberecht Migge und Ottokar Wagler

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Bauteil Bruno Taut Liningstraße